Topmanager antworten zu ihren Corona-Erfahrungen

In Zeiten von Heimarbeit und Videokonferenzen ist eine gute Führung der Belegschaft unbestritten noch schwieriger geworden.

Besonderes Geschick und besondere Fertigkeiten sind von Führungskräften und Top Managern gefordert.

In einer Befragung von 20 Topmanager zu ihren Erfahrungen mit dem Arbeitsalltag, gaben diese Auskunft. Die Ergebnisse, bieten einen Einblick in die Befindlichkeiten von deutschen Spitzenmanagern. Und so sieht es aus: Mehr als die Hälfte der Befragten hält Großraumbüros für „nicht mehr zeitgemäß“. Wenn man ihre Antworten zusammenfasst, dann glauben sie, dass rund ein Viertel der klassischen Büroarbeitsplätze künftig wegfallen wird. Das meint vor allem die Belegschaft, mitunter aber auch die Art, wie die Manager selbst ihren Alltag sehen.

Die topangestellten Männer mittleren Alters zieht es eher ins Büro zurück, die Frauen und die Jüngeren wollen eher dauerhaft von zuhause aus arbeiten, zumindest teilweise.

Das bedeutet, daß für das Spitzenpersonal der Unternehmen besondere Führungsfähigkeiten gebraucht werden. „Beim Führen vom Homeoffice aus geht es nicht um das strenge Durchgreifen, vielmehr ist Geschick gefordert.“ So erforderten Videokonferenzen ein viel höheres Maß an Vorbereitung, vor allem, wenn es darum geht, wichtige strategische Themen zu besprechen. „Der Manager muss in der Lage sein, auf dem Bildschirm versteckte Signale wahrzunehmen“.

Welcher Mitarbeiter schaltet auf stumm und hört vielleicht gar nicht zu? Wer äußert sich wenig? Humor, eigentlich ein gutes Mittel, um die Stimmung aufzulockern, sei am Bildschirm sehr schwierig anzubringen.

Aus eigenen Erfahrungen als Coach und Psychotherapeut kann ich das nur bestätigen. Die Corona-Pandemie setzt vielen Managern zu. „Manager können per Internet nicht führen, sie können nur Anweisungen geben. Wenn Führungskräfte motivieren wollen, gehören Mitmenschlichkeit, Empathie und persönlicher Kontakt dazu. Viele von ihnen haben narzisstische Strukturen und können sich nun nicht mehr präsentieren. Klatschen im Internet ist anders als Klatschen im realen Leben.“ Mehr noch: Corona sei für Führungskräfte eine Zäsur. Viele kämen nun zu einer inneren Einkehr und nehmen Defizite ihres Lebens wahr. Manche Manager stellten den Fokus auf Profitmaximierung in ihrem Leben infrage, einige reagierten mit einer zunehmenden Bescheidenheit und Demut auf die neue Erfahrung. „Das beinhaltet eine hohe depressive Komponente“.

Der operative Betrieb lässt sich über Videokonferenzen sehr gut steuern. Allerdings kämen Kontakte zu Kunden, strategische Themen und kreative Prozesse zu kurz, von denen der Ideenreichtum und die Innovationskraft abhängen kann.

Zudem sei die Motivation der Mitarbeiter ein großes Thema: „Chefs müssen sich fragen, wie sie es schaffen, ein körperliches und geistiges Wohlergehen ihrer Mitarbeiter sicherzustellen.“ Die Manager müssten sich bewusst Zeit für Einzelgespräche nehmen. Vor allem junge Talente müssten sie motivieren. Es sei schon vor Corona schwierig gewesen, Berufsnachwuchs für Industriejobs zu gewinnen. Sie fürchten, dass diese Krisenmonate zu einem „massiven Mangel an späteren Top-Arbeitskräften in Industrieunternehmen führen wird“.

Die Krise scheint den Blick der Chefs auf Mitarbeiter zu verändern. Zwei von drei befragten Managern sagen, dass ihnen „mehrere Talente“ durch die Umstände der Pandemie aufgefallen seien. Sie sind sich offenbar bewusst, dass Corona auch ihrem Personal viel abverlangt. Widersprochen wird auch der der Aussage, dass die Mitarbeiter es sich im Homeoffice bequem machten, wie es der CDU-Politiker Friedrich Merz jüngst mit einer Bemerkung angedeutet hatte.

Kein Topmanager sehe seine Belegschaft als starr und unbeweglich an, ganz im Gegenteil: Sie bescheinigten ihren Leuten ein hohes Maß an Flexibilität. Den Beschäftigen biete die aktuelle Krisenzeit unter Umständen einige Möglichkeiten, positiv aufzufallen. „In jeder Krise finden Führungskräfte schnell heraus, wer dem gewachsen ist und wer durch Leistung hervorsticht.“

Was die Umfrage auch zeigt: Vertriebsmanager haben oft weniger zu tun als vor der Corona-Krise, weil durch Firmenschließungen oder andere Einschränkungen Kontakte wegfallen. Personalvorstände sind dagegen besonders gefordert. Und viele Chefs reisen deutlich weniger, sie scheinen dem durchaus etwas abgewinnen zu können. Nur zwei der Unternehmenslenker wollen nach der Krise wieder durch die Welt fliegen wie zuvor. Ein Viertel der Befragten gibt an, gelernt zu haben, mit deutlich weniger Reisen effizient zu arbeiten und zu führen. Sie sprechen von Entschleunigung.

Sie haben Zeit gewonnen, die sie nutzen könnten, um sich Gedanken über den Umgang mit ihren Mitarbeitern zu machen. Sie sagten: Es sei jetzt besonders wichtig, dass Chefs sachlich und freundlich-höflich seien. Und zwar unabhängig davon, was besprochen werde. Die Chefs müssten Wertschätzung zeigen und sollten die Unterhaltung mit einem Mitarbeiter nicht zu schnell beenden.

Grundlage für diesen Artikel ist ein Auszug aus der Welt am Sonntag.

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