Vorbereitung zur Konfliktklärung

In einem der letzten Artikel ging es um das Thema: Wie erkenne ich Konflikte in meinem Team? Doch wie gehe ich jetzt weiter vor?

Im nächsten Schritt geht es darum, den Konflikt zu analysieren.

Konfliktanalyse – Wozu?

Das Unangenehme und Schwierige an Konflikten ist, dass sie Angst und Unsicherheit auslösen und diese Gefühle wiederum die Fähigkeit des vernünftigen Denkens verringern. Mit unüberlegten, spontanen Aktionen versucht der Mensch Herr der Lage zu werden, auch wenn sein Tun die Situation letztlich noch verschlimmert. „Da kann man doch nicht tatenlos zusehen“, „Mach doch irgend etwas!“ sind Aussprüche, die diese Handlungen beschreiben.

Um negative Konsequenzen durch unüberlegtes Handeln zu vermeiden ist es sinnvoll, zwischen dem Auftreten eines Konfliktes und dem Suchen nach Lösungen, eine ausführliche Analysephase einzuschieben. Die alte Empfehlung, wichtige Entscheidungen „doch noch einmal zu überschlafen“, kommt aus derselben Überlegung.

Fremdbild

  • Wie sehe bzw. erlebe ich den anderen? Wie nimmt er seine Aufgabe wahr? Wie verhält er sich mir gegenüber?
  • Was ist oder scheint für ihn besonders wichtig? Wo liegt seine Hauptmotivation? Was interessiert ihn besonders, was interessiert ihn weniger?
  • Was gefällt mir insgesamt an ihm und seinem Verhalten? Was läuft gut in der Zusammenarbeit? Wo liegen seine Stärken?
  • Wo haperts? Was stört mich? Wo sehe ich Defizite, Reibungsverluste, Konfliktherde – h. immer wiederkehrende Probleme in der Zusammenarbeit?
  • Welches sind Fragen, auf die ich schon lange gerne eine Antwort gehabt hätte – oder die ich gern einmal mit dem anderen besprechen würde?

Selbstbild:

  • Wie sehe ich mich und meine eigene Rolle? Wie beurteile ich mein eigenes Verhalten in der Zusammenarbeit mit dem anderen?
  • Wo liegt meine Hauptmotivation? Was ist mir wichtig in der Wahrnehmung meiner Aufgabe?
  • Was leiste ich? Was trage ich zu einer guten Zusammenarbeit bei?
  • Was gibt es bei mir intern für Probleme, die sich möglicherweise auf die Zusammenarbeit mit dem anderen auswirken? Wo sehe ich bei mir selbst Defizite?

Vermutetes Fremdbild:

  • Was glaube ich, wie der andere mich sieht? Was vermute ich, wie mein allgemeines „Image“ aussieht?
  • Welches sind die wichtigsten „Knackpunkte“, die der andere mir vermutlich vortragen wird?

Analytische Fragen

  • Wer ist am Konflikt beteiligt? Welche Funktionen haben Sie und Ihre Konfliktpartner im Unternehmen? Skizzieren Sie den organisatorischen Zusammenhang!
  • Um was geht es? Wie würden Sie den Fall beschreiben? Wie würde Ihr Konfliktpartner den Konflikt definieren?
  • Schildern Sie die Umstände, die aus Ihrer Sicht den Fall zu einem Konflikt gemacht
  • Wie wurde der Konflikt bisher ausgetragen? Wie haben Sie sich verhalten? Wie haben sich Ihre Konfliktpartner verhalten?
  • Seit wann ist Ihnen der Konflikt bewusst? Seit wann ist der Konflikt Ihrem Konfliktpartner bewusst?
  • Wie und mit wem haben Sie bisher darüber gesprochen? Wie und mit wem hat Ihr Konfliktpartner darüber gesprochen?
  • Welche Erwartungen hatten Sie bisher in diesem Konflikt, bzw. welche Ziele habe Sie bisher verfolgt? Welche Erwartungen bzw. Ziele hat Ihr Konfliktpartner bisher verfolgt?
  • Beschreiben Sie Ihren Konfliktpartner! Wie würde Ihr Konfliktpartner Sie beschreiben?
  • Wer unterstützt Sie in Ihrem Konflikt? Wer unterstützt Ihren Konfliktpartner?
  • Wer könnte eventuell vermitteln, weil er beide versteht und/oder mag?
  • Wie viel Zeit steht Ihnen zur Verfügung? Wie viel Zeit steht Ihrem Konfliktpartner zur Verfügung?
  • Hatten Sie schon öfter ähnliche Konflikte?
  • Wie wichtig ist der Konflikt für Sie/Ihren Partner?
  • Wie wichtig ist eine Konfliktlösung für Sie/Ihren Partner?

Viele Führungskräfte nehmen sich nicht die Zeit zu einer genauen Konfliktanalyse oder sie schieben den Konflikt auf die „Lange Bank“.

Erst nach einer gründlichen Konfliktanalyse sollten Sie Ihr weiteres Vorgehen planen.

Klaus Frohnert

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