Warum ist Verhaltensänderung so schwierig?

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Immer wieder beobachte ich in Trainings- und Coachingsmaßnahmen, dass selbst (scheinbar) einfachsteund kleinste Verhaltensänderungen nur sehr schwer und sehr langsam umgesetzt werden – wenn dies überhaupt geschieht.

Für viele Trainer und Coaches ist es häufig frustrierend zu sehen, dass im Seminar oder Coaching, Erlerntes nicht so umgesetzt wird, wie es zuvor vereinbart wurde. Selbst wenn die Teilnehmer hochmotiviert die Qualifizierung oder das Coaching verlassen, ist nach einem guten halben Jahr (oder auch deutlich weniger) wieder alles beim Alten.

Dabei ist der Grund für diese „Verweigerung“ in unserem Gehirn verankert und wenn man sich ein wenig mit den Lernprozessen in diesem auseinandersetzt, werden die Symptome nachvollziehbarer.

 Top Down und Bottom up

Vereinfacht gesagt laufen in unserem Gehirn zwei unterschiedliche Arten von Prozessen parallel ab: entweder als sogenannter Top-Down- oder als Bottom-Up-Prozess.

Bottom-Up-Prozesse besitzen eine „große Rechenleistung“ und arbeiten beständig alle Aufgaben ab, ohne jedoch unser Bewusstsein zu erreichen. Sie sind schneller als Top-Down-Prozesse, eben weil sie keinerlei Aufmerksamkeit benötigen und so wichtige, täglich anfallende Routineaufgaben erledigen.

Die im präfrontalen Cortex stattfindenden Top-Down-Prozesse hingegen erfordern ein bewusstes Agieren unsererseits und ein hohes Maß an Konzentration. Sie sind für das Gehirn anstrengender, verbrauchen mehr Energie und sind zudem deutlich langsamerals Bottom-Up-Prozesse. Allerdings sind es auch die Hirnprozesse, die wir willentlich steuern.

Unser Gehirn ist nun aber -wenn man so möchte – ein echter Energiesparer und versucht, aus allen erdenklichen Tätigkeiten Routineabläufe zu erstellen, die dann schnell und effizient als Bottom-Up-Prozess durchgeführt werden können, der im Hintergrund laufen kann. Nur so gelingt es beispielsweise Hochleistungssportlern, ihre fantastischen Leistungen zu vollbringen ohne darüber nachzudenken. Müsste ein Fußballer darüber nachdenken, wie er den Ball genau vor den frei stehenden Stürmer flanken kann, dann hätte längst der Gegner den Ball.

Die Bewegungsabläufe werden durch beständiges Wiederholen bei höchster Konzentration (also als Top-Down-Prozess) in die schnelleren Bottom-Up-Prozesse umgewandelt.

Problematisch wird es dann, wenn wir durch eine Schulungsmaßnahme versuchen, eine Verhaltensänderung zu bewirken. Denn hier erweist sich der beschriebene Gehirnprozess als hinderlich. Unser Schulungsteilnehmer hat die neu zu lernende Tätigkeit durchaus verstanden und kann sie auch korrekt durchführen, wenn er sich darauf konzentriert und genügend Aufmerksamkeit aufbringt.

Sobald die Aufmerksamkeit nachlässt, beendet das Gehirn den anstrengenden Top-Down-Prozess und fällt zurück in den routinemäßigen, bereits gespeicherten Bottom-Up-Prozess (=alte Gewohnheiten). Hinzu kommt, dass neu zu erlernende Tätigkeiten auch nicht immer sofort gelingen, das heißt die Umstellung bei der Verhaltensänderung bringt zusätzliche Frustration mit sich.

 Was sind die Schlussfolgerungen?

  • Verhaltensänderungen sind immer schwer (auch bei scheinbar leichten und einfachen Verhaltensänderungen).
  • Verhaltensänderungen erfordern viel Konzentration und gehen nur langsam.
  • Aufgrund der großen Aufmerksamkeit, die eine Verhaltensänderung erfordert, darf man sich nicht zu viele Ziele gleichzeitig setzen. Setzen Sie sich maximal zwei Ziele, besser nur eines, und verfolgen Sie dieses mit der notwendigen Aufmerksamkeit bis es „wie von selbst geht“.
  • Der Prozess der Verhaltensänderung muss begleitet werden, um Rückfälle in alte Verhaltensweisen abzufangen und zu korrigieren.
  • Zwangsläufig auftauchende Rückschläge bei der Umsetzung, sollten reflektiert und durch „Anker“ oder andere motivierende Maßnahmen abgefangen werden.
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